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Der Brexit-Beschluss, die Wahl Trumps zum Präsidenten der USA, wachsende politische Risiken in Russland und der Türkei – diese Unsicherheiten wirkten aufgrund der hohen Integration deutscher Unternehmen in globale Wertschöpfungsketten auch auf den Absatz ihrer Güter. Zudem liegt der Fokus deutscher Exporteure auf Investitionsgütern, welche aufgrund der Investitionszurückhaltung in den großen Schwellen- sowie den Industrieländern im letzten Jahr auf eine verhaltene Nachfrage trafen (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2017). 2016 spiegelte sich die steigende weltweite Unsicherheit in zunehmend zurückhaltenden Exporttätigkeiten in nahezu allen Zielregionen: 2015 legten die deutschen Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr nominal um mehr als 6 Prozent zu, 2016 um 1,1 Prozent.

  • Der Wert der deutschen Exporte in die USA stieg 2015 im Vorjahresvergleich nominal um fast 19 Prozent – und sank 2016 um 6 Prozent.
  • Die Güterausfuhren in die Europäische Union (EU) legten nach einem starken Jahr 2015 (+ 6,8 Prozent) am aktuellen Rand nur um 2,2 Prozent zu.
  • Die deutschen Exporte in die Gruppe der Schwellenländer stiegen 2016 dagegen mit einem nominalen Plus von 1,4 Prozent im Vorjahresvergleich etwas stärker als noch 2015. Zwar sank in vielen Schwellenländern - wie etwa Brasilien oder Russland - der Ausfuhrwert deutscher Produkte zum Teil deutlich. Doch die starke Nachfrage aus China erklärt das stabile Wachstum am aktuellen Rand.

Von dieser Entwicklung hat sich die industrielle Gesundheitswirtschaft abgesetzt. Der Export von Arzneimitteln und medizintechnischen Produkten zeigte sich 2016 vergleichsweise robust und weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen.

Industrielle Gesundheitsgüter. Der Ausfuhrwert deutscher Gesundheitsgüter stieg 2016 gegenüber den gesamten Warenausfuhren überdurchschnittlich um 2 Prozent auf rund 91,1 Milliarden Euro. Allerdings verzeichnete auch diese Gütergruppe am aktuellen Rand eine nachlassende Exportdynamik; so verbuchte der Ausfuhrwert 2015 noch ein Plus von fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die nachlassende Dynamik in den Ausfuhren von Gesundheitsgütern wurde im Wesentlichen von einem Rückgang in den traditionellen Absatzmärkten der EU sowie der USA getrieben. Der Exportwert von Gesundheitsgütern in den Schwellenländern legte dagegen überdurchschnittlich zu. Doch Arzneimittel und medizintechnische Produkte zeigten in ihren verschiedenen Destinationen jeweils spezifische Entwicklungen.

Pharmazeutische Erzeugnisse. Mit 69,0 Milliarden Euro trugen Pharmazeutika im Jahr 2016 den Hauptteil des Ausfuhrwertes deutscher Gesundheitsgüter und verzeichneten ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausfuhren in Schwellenländer als neue Absatzmärkte mit hohem Umsatzpotenzial beeinflussten das Gesamtergebnis positiv.

  • Der Wert der in die USA ausgeführten Pharmazeutika sank 2016 nominal um 4,5 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Mit der Wahl Trumps stiegen die Unsicherheiten im Welthandel. Die in Aussicht gestellte Rücknahme der Gesundheitsreform „Obamacare“ kann die Arzneimittelnachfrage beeinflussen, doch erklärt dies kaum den Rückgang deutscher Pharmaexporte. Vielmehr betraf die Aufwertung des Euro im Jahr 2016 exportintensive Branchen wie die Pharmaindustrie und den Pharmahandel. Zudem sind Medikamente in den USA einem verstärkten Preisdruck ausgesetzt - diese Einflussfaktoren erklären eher die aktuell rückläufige Entwicklung deutscher Pharmaausfuhren.
  • Der Ausfuhrwert deutscher Arzneimittel in die EU betrug 2016 34,3 Milliarden Euro und lag damit 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dieser Rückgang folgte im Wesentlichen aus einer nachlassenden Nachfrage in den etablierten Märkten Westeuropas: Die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich, wo 2016 rund 18 Prozent der Arzneimittel für den europäischen Markt ihr Ziel fanden, sanken um nahezu 11 Prozent. Der Brexit bietet hier nur eine mittelbare Erklärung, denn die Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Beziehungen werden sich kurzfristig nicht ändern. Dagegen traf die Abwertung des britischen Pfunds die deutschen Exporteure. Auch in anderen europäischen Absatzmärkten sank die Nachfrage: Der Wert der in die Niederlande ausgeführten Arzneimittel ging um 3,2 Prozent zurück, in Frankreich um 2,6 Prozent.
  • Deutsche Arzneimittel im Wert von 8,5 Milliarden Euro wurden in Schwellenländer ausgeführt – dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 2,5 Prozent. So sank zwar der Ausfuhrwert deutscher Pharmazeutika etwa in Brasilien, Kolumbien oder Südafrika deutlich. China und Russland - mit einem Anteil von 46 Prozent am Wert der deutschen Pharmaausfuhren in Schwellenländern die größten Absatzmärkte dieser Ländergruppe – konnten aber ungeachtet der vorherrschenden Unsicherheiten jeweils um rund 7 Prozent zulegen und bestimmten so den Anstieg der deutschen Ausfuhren in die Schwellenländer.

Medizintechnik. 2016 wurden medizintechnische Güter im Wert von 22 Milliarden Euro aus Deutschland ausgeführt - 3 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Entwicklung der medizintechnischen Ausfuhren der letzten Jahre zeigte sich zwar ebenfalls die Suche der Unternehmen nach vielversprechenden Absatzmärkten abseits traditioneller Ziele (Kirchhoff, 2017), doch konnten 2016 weiterhin die Exporte in die EU und die USA gesteigert werden.

  • Der Wert der Medizintechnikausfuhren in die USA übertraf mit knapp 4 Milliarden Euro den Vorjahreswert nominal um 5,2 Prozent. Dabei wirkten gegenläufige Effekte auf das Ergebnis: Die Rücknahme der „Medical Tax Device“ Ende 2015 könnte die Medizintechnikausfuhren positiv beeinflusst haben. Die auch aus den USA verhaltene Nachfrage nach Investitionsgütern sowie die 2016 erfolgte Aufwertung des Euro schwächten aber die medizintechnischen Ausfuhren (Kirchhoff, 2017).
  • In die EU wurden medizintechnische Güter im Wert von 9,1 Milliarden Euro ausgeführt – 3,8 Prozent mehr als 2015. Anders als bei den Pharmaausfuhren legten die Exporte der Medizintechnik in vielen etablierten Absatzmärkten Westeuropas zu. Der Wert der in die Niederlande exportierten medizinischen Geräte stieg nominal um knapp 15 Prozent, die Exporte nach Frankreich um fast 7 Prozent. Doch die gestiegene Unsicherheit und die Abwertung des britischen Pfunds schwächten auch die Ausfuhren von Medizintechnik in das Vereinigte Königreich: Der Ausfuhrwert lag 2016 nominal 4,8 Prozent niedriger als im Vorjahr.
  • Der Absatz deutscher Medizintechnikprodukte in Schwellenländern stieg 2016 mit einem Plus von 4 Prozent im Vorjahresvergleich auf 4,7 Milliarden Euro. Dabei sticht China beim Export medizinischer Geräte als Destination hervor – der Ausfuhrwert im Vergleich zum Vorjahr ist um über 11 Prozent gestiegen, so dass 2016 rund 38 Prozent der Medizintechnikausfuhren in Schwellenländer hier ihr Ziel fanden. Dagegen entwickelten sich die Ausfuhren in anderen Schwellenländern wie Brasilien oder Indien aufgrund gestiegener Unsicherheiten und der dadurch verhaltenen Nachfrage nach Investitionsgütern weitgehend rückläufig.

Gesundheitsgüter reagierten am aktuellen Rand weniger auf konjunkturelle Schwankungen als andere industrielle Güter. Die Medizintechnikexporte blieben trotz globaler Investitionsschwäche ihrem Wachstumspfad im Wesentlichen treu und auch die Pharmaausfuhren zeigten sich im Vergleich robust. Doch die Entwicklungen der beiden Gütergruppen zeigten auch Unterschiede: So ist die Orientierung der Pharmaexporte auf neue Absatzmärkte auffällig, während die Medizintechnik sowohl in neuen als auch in ihren etablierten Märkten den Absatz steigern konnte.

IW-Kurzbericht

Jasmina Kirchhoff: Robuste Entwicklung trotz steigender Unsicherheit

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